"Streetartsafari durch Hamburg" oder "Wie ich lernte im Großstadtdschungel zu überleben"

Der weltbeste Freund der Welt hatte zuletzt den speziellen Wunsch zu lernen, wie man sich verteidigt und ich sollte mich mitverteidigen. Der höhergestellte Sinn und Zweck war aber eigentlich und ursprünglich, eine Plattform zu finden, auf der es gewollt, gefordert und anerkannt ist, kraftvoll auf ein Schaumstoffkissen einzuprügeln also wurde unser Ziel, räumlich betrachtet, ein Krav Maga Kurs. Wie erwartet bestand der Kurs aus circa zwanzig Männern mit stark ausgeprägter Muskulatur und mir. Der, mit am wenigsten Hals und dafür am meisten Nacken war der Trainer, von dem wir lernen sollten, uns gegen das Böse zu wehren. Also Boxen, scannen und weglaufen.Das Leben besteht aus Lernen und ich habe gelernt, dass wenn ich den wFW um die zwanzigmal mit einem unechten Messer angreife, ich echte blaue Flecken bekomme. Weiterführend habe ich gelernt, dass es trotzdem wichtig sei, sich zu verteidigen und es gut sei, wenn der Angreifer mindestens blaue Flecken habe, denn die Welt da draußen sei gefährlich und eigentlich habe jeder mindestens ein Messer oder eine Pistole oder zumindest einen Flugzeugträger in der Hosentasche.

Wenn ich mir so meinen Arm angucke, empfinde ich die Welt da drinnen als gefährlicher als die Welt da draußen. Wenn man sich draußen mal umguckt, ist die Welt eigentlich ganz bunt. Noch bunter als mein Arm. Und jetzt Achtung, elegante Überleitung: Wer mir auf Instagram folgt, kennt meine Leidenschaft für - öffentliche und leider häufig illegale aber zum Glück zunehmend gesellschaftlich akzeptierte- Farbe, die ich in einer gewissen Regelmäßigkeit und Begeisterung zum Ausdruck bringe ( oder unter #diestadtisteinmuseum). Die Rede ist von Streetart, insbesondere von Murals, also großen Wandbildern. Ich habe eine kleine Streetartsafari mit 10 Stopps, mehr gibt Google Maps nicht her, durch mein Lieblingshamburg zusammengestellt. Geeignet für alle Entdecker, ob Tourist oder eingeborenes Nordlicht.  Mit dem Klick auf den Button gehts zur vollständigen Tour:

Wir starten in der Schanze und zwar in der Lippmannstraße

Versteckt im Hinterhof der Lippmanstraße 59 erhebt sich ein riesiger Fischer, an die Wand gebracht von den Jungs von Innerfields. Das von Beebop Meda Ag beauftragte und finanzierte Mural mit dem Namen „Fischersnetz“ befasst sich thematisch mit bekannten Social Media Programmen und mit deren Gebrauch. Das Entstehungsvideo von Kai Brass findet sich auf Vimeo 

In der Bartelsstraße, zwischen zwei Häusern eingebettet, zieht sich ein riesiges Mural die Wand hoch. Tierische Motive treffen geometrische Buchstaben. Absolut sehenswert!

Am Millerntor Stadion am Harald-Stender-Platz finden wir zwei größere Murals, die im Rahmen der jährlich an drei Tagen geöffneten Millerntor-Gallery-Veranstaltung entstanden. Vor uns erstreckt sich der tättowierte Seemann des bekannten Sankt Pauli Kultkünstlers Rebelzer und zu unserer Linken das stilistisch absolut unterschiedliche, aber diesem in seinem Eindruck um nichts nachstehende Mural von Herakut.

Bewegen wir uns weiter Richtung Reeperbahn, laufen wir auf das Hotel Commodore in der Budapester Straße zu, an dessen Hauswand sich das Kunstwerk von einem zusammenschluss von verschiedenen Künstlern, unter anderem Base23 und desk7 befindet.

Wenn wir die schnelle Route durch die Simon von Utrecht Straße oder alternativ einen kleinen Umweg durch die Paul-Roosen-Straße laufen, in der es Streetarttechnisch viel zu entdecken gibt (zb der bemalte eingang oder andere künstlerisch gestaltete Unterführungen oder Hinterhöfe, bewegen wir uns anschließend auf der Louise-Schröder-Straße Richtung Altonaer Bahnhof. Auf dem Weg passieren wir das Mural „Amur“ von, Björn Holzweg, welches im August von ihm im Rahmen des Knotenpunktfestivals der Affenfaustgalerie gemalt wurde und im Oktober 2015 von unbekannten gecrosst wurde. Mittlerweile ist es restauriert und intakt.

Wenn wir uns über die Große Bergstraße weiter in Richtung Altonaer Bahnhof bewegen, passieren wir einige Kunstwerke, wenn wir die Augen offen halten. So heben wir auf der Höhe der Große Bergstraße 227 den Blick und schauen uns das Profil einer Frau „Amanda“, gemalt von Ata Bozaci 2014 für das jährlich stattfindende Stampf-Festival an.

Wir bewegen uns weiter zur Rothestraße, wo sich ein wenig versteckt an einer Hauswand auf einem Kinderspielplatz seit 2016 ein beeindruckendes Mural des Heidelberger Künstlers Daniel Thouw befindet, welches ebenfalls im Rahmen des Stamp Festivals gemalt wurde.

Wenn wir einen kleinen Schlenker durch den Piependreiherweg machen, passieren wir ein Mural, welches sich über mehrere Häuser erstreckt. Hier trifft Perspektive auf animalische Motive.

Wir laufen weiter, die Bahrenfelder Straße hoch. An der Hauswand des Handwerkerhofes finden wir auch ein aktuelles, seit 2016 bestehendes Graffiti zweier Künstler aus Nepal.

Unsere letzte Station ist der Hinterhof der Gaußstraße 158. Ein auch im Rahmen des Stamp Festivals 2016 an die Wand gebrachtes Mural eines Künstlerzusammenschlusses des in Hamburg bekannten Künstlers Zipper und the Double B.

Der Rattfratzfänger von Hamburg

Kennst du das, wenn man sich draußen von A(rbeit) nach B(ett) bewegt und seine Umgebung sehr genau beobachtet, weil man möglicherweise Teil davon ist und Rücksicht nehmen sollte? Nein? Ich schon. Zu deinem Glück.

Sicher, es reicht, wenn die Hälfte der Beteiligten umsichtig ist. Fürs erste. Und so stehst du da, Kevin-Johannes-Skywalker, auf meinem Fahrradweg, und versuchst ein animiertes Taubsi in eine animierte Plastikkugel zu bewegen und bist ebenso taubsi für deine Umwelt.

Versteh mich nicht falsch, ich bin absolut dafür, dass Menschen die Welt nach jahrelanger Abstinenz erkunden und entdecken, aber dann bitte mit allen Sinnen, neben dem puren Unsinn. Ich verstehe auch den Reiz des Sammelns, aber ich möchte mich nicht ungewollt in die Pokémonsammler-Jäger-position begeben.

Wie soll ich deiner Mama, die sich jahrelang bemüht hat, dich mithilfe von Kindersicherungen an Steckdosen, glutenfreien Keksen und Stoppersocken davor zu bewahren, dich in deinem kindlichen Übermut selbst umzubringen, erklären, dass das Selektionsprinzip Darwins nun doch zugeschlagen hat?

Die Welt da draußen ist gefährlich, Kevin-Johannes-Skywalker. Sie bietet mehr Gefahren, als die Möglichkeit über ein Controllerkabel zu stolpern und sich das Genick zu brechen. Vielleicht beherrschst du die Arenen und bist der Kingkong aller Pokémänner, aber du kannst nicht neu starten, wenn a wild Ann-Sophie aus dem Nichts auf ihrem Fahrrad appears und dich erst einmal umgenietet hat. Dann ist nämlich rattfratz Game over.

Sanduhrhose oder auch die Stimme meiner Oma

 

Wenn meine Oma ein Kleidungsstück im Laden (gut) fand, kaufte sie das häufig in allen zur Verfügung stehenden Farben. Man könnte ja auf fremden Sofas sitzen und sich mit der Farbe beißen. Oder das neugekaufte Stück passt farblich nicht zu der zigten Übergangsjacke,die auch in mindestens vier verschiedenen Farben zur Verfügung stand und nochmal in den Pastelltönen der Saison.

 

 

Meine Oma war Meisterin des Farbenmatchings. Lippenstift passte zum Halstuch passte zur Jacke, passte zu den Schuhen. Auch Müllrunterbringen ging nicht ohne passenden Lippenstift zum Müllbeutel. Der Inbegriff von adrett. Aber nicht Oma-adrett, sondern flott-adrett. Und das Konzept wurde voll und ganz von ihr vertreten. Sobald ich Klamotte erwarb, konnte ich mich darauf verlassen bei ihr Unterstützung für einen weiteren Kauf zu erhalten: „Das ist aber schick, kauf dir das doch nochmal in grün.“ Oma knows best.

Aber ich nähe eher selten Schnitte zweimal, das reizt mich eigentlich nicht so. Aber seitdem ich schon zweimal traurig mit mitrotierenden Augen vor der laufenden Waschmaschine stand, weil die Birnenhose darin vor sich hin schäumte, hörte ich auf die Stimme meiner Omi. Und habe noch eine in Blau genäht. Für Oma. Grüße gehen hoch.

Nach auf der Skala von liebevollen bis scharfen Protesten alles dabei gegen meine Bezeichnung für die Birnenhose, mit den ebenfalls liebevollen bis scharfen Hinweisen ich sei definitiv kein Obst, habe ich die Hose trotzdem nochmal genäht. Also: Gleicher Schnitt, anderer Stoff, andere Bezeichnung. Sanduhr passt ja auch besser zu dem Konzept der Bilder.

Diesmal ein bisschen robuster und bodenständiger, aus marinefarbenem gewaschenen Twill mit Stretchanteil. Den gleichen in Rost habe ich in der Anlassiris vernäht. Der fällt ein bisschen steifer als der Stoff der Birnenhose. Max findet, wie er mir so liebevoll und charmant mitteilte, wie ein Müllsack, ich finde wie eine Hose, wie die Arbeiter auf dem Bild "Lunch atop a Skyscraper" tragen. Ein Müllsack glänzt schließlich!

 

Der Unterschied bei dieser Hose ist, dass der Stoff mehr Stand hat und dadurch größere Falten wirft und ein bisschen aufträgt. Aber als ehemalige Baggyhosenträgerin stört mich das wenig.

Der Schnitt ist wieder der Männerschnitt von Stoff und Stil, ich habe die gleichen Änderungen vorgenommen wie das letzte Mal: Jeweils eine Kellerfalte links und Rechts vorne und schon ist sie auf Taille tragbar.

Die Fotos hat wie immer der Lieblingsfreund, noch auf Teneriffa, gemacht und seitdem liegen sie  unverbloggt bei mir herum. Zum letzten Termin vor der Sommerpause des MeMadeMittwochs  zum Thema "Ich packe meinen Koffer" habe ich sie erstmal entsandet. Zwar treffe ich das Thema nur im Perfekt, aber Vergangenheitsformen zählen ja hoffentlich auch.