Unkooperativ und authentisch. Und was dann geschah.

Ich habe eine neue Mail in meinem Blogpostfach. Ich habe häufiger mal neue Mails in meinem Blogpostfach. Häufig, weil mir jemand Nettes etwas Nettes sagen möchte, oft, weil jemand etwas wissen oder haben möchte und manchmal, weil jemand einen ironischen Witz erklärt haben möchte. Ich hasse es, Witze zu erklären. Das macht den Witz kaputt und ich mache nicht gerne Witze kaputt. Wenn Tage damit starten, dann fehlt direkt das gute Gefühl!

Heute habe ich eine Mail von einer Agentur. Der freundliche Mensch am anderen Ende erzählt mir, er sei im Internet über meinen Blog gestolpert. Mein Blog scheint häufiger im Weg zu stehen oder Menschen von Agenturen bewegen sich unvorsichtig im Internet, denn die, die mir schreiben, schreiben mir stets, sie seien über meinen Blog gestolpert. Vielleicht wollen sie aber auch nur verdeutlichen, dass er hervorsticht. Diesen Witz werde ich nicht erklären, ich hasse es, Witze zu erklären.

Der Mensch am anderen Ende der Leitung sagt mir viele nette Sachen über meinen Blog. Er findet, sein Produkt würde ganz toll zu meinen Inhalten passen, sagt er. Ich habe zwar noch nie über glutenfreie Joghurts mit Chia geschrieben, aber ich könne ja damit anfangen, das würde meine Leser garantiert interessieren. Der glutenfreie Hersteller der Joghurts mit Chia könne zwar nichts dafür bezahlen, aber ich würde eine Palette glutenfreie Joghurts mit Chia bekommen, die könnte ich an meine Leser verlosen. Und das müsste ich noch nicht einmal kennzeichnen, weil ich ja kein Geld dafür kriege und von ganz allein finde, dass der glutenfreie Joghurt mit Chia ein gutes Produkt ist. Und Ruhm würde ich auch kriegen. Ich finde das ist ein gutes Angebot, meine Vermieterin ist bestimmt damit einverstanden, wenn ich ihr für April eine Palette glutenfreie Joghurts mit Chia schicke. Den Ruhm behalte ich selber, den habe ich mir verdient!

So läuft das. Natürlich bin ich nicht auf das unmoralische Angebot eingegangen, das würde ich nicht machen, schließlich bin ich total authentisch. Aber ich habe letztens ganz alleine einen ganz tollen glutenfreien Joghurt mit Chia im Supermarkt gefunden, ein ganz tolles Produkt. Und mit dem Code: BraCHIAlgutesprodukt234 erhaltet ihr durch Zufall 12,3% auf das Schütteln eures Kopfkissens!

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Wie kriege ich jetzt die Überleitung zum Ernst? Generell halte ich nicht viel von Kooperationen und Sponsoring, es sei denn, die Menschen, die mich anschreiben sind gut vorbereitet, haben überzeugende Argumente und das Produkt passt zu meinen Inhalten. Das war bis jetzt noch nie der Fall, bis auf neuerdings: Ich darf mit Freuden und Transparenz verkünden, dass ich jetzt für den Bernina-Blog schreibe und mit Bernette Maschinen nähe. Mein erster Beitrag, eine Anleitung für einen Roll-Rucksack, findet sich hier. Auf die weiteren Veröffentlichungen werde ich auf Facebook und Instagram aufmerksam machen.

Berufliche Veränderungen oder auch dreimalfünf Teil Eins

Ich habe die letzten fünf Jahre als Psychologin, Hellseherin, Lexikon, Politikerin, Doktormutter, Erzieherin, Stilberaterin (und Stillberaterin) und manchmal auch als Frustabladeplatz, kurz: Verkauf und Beratung im Textilfachhandel gearbeitet. In diesen fünf Jahren habe ich im Dienst wahrscheinlich mehr Kilometer zugeschnitten, als ich in den ersten fünf Jahren meines Lebens gelaufen bin, definitiv weitaus mehr geredet und mich häufiger schreiend auf dem Boden gewälzt. Fünf Jahre ist eine lange Zeit, so lange habe ich studiert und da stellt sich die Frage, ob ich so lange im Stoffladen gearbeitet habe, weil ich studieren wollte oder ob ich so lange studiert habe, weil ich im Stoffladen arbeiten wollte?

Zumindest habe ich jetzt fertig studiert und auch fertig im Stoffladen gearbeitet finde ich. Und weil ich ein bisschen zufrieden und ein bisschen traurig bin, werde ich heute endlich die Top 5 der Dinge, die ich (zum Glück) nicht mehr hören werde und deshalb morgen auch 5 der allerbesten Momente im Laden veröffentlichen (ohne verklagt zu werden). Also sollte sich jemand in einer der zwei fünfen wiedererkennen, hat derjenige mich entweder stark angestrengt oder mir gute Smalltalkanekdoten beschert.

Fünf Dinge, die ich nicht mehr hören werde (und überhaupt nicht traurig darum bin)

5.) „Haben sie keine Kordel oder bin ich zu doof die zu finden? “
Was ich gesagt habe: „Die Kordeln sind da hinten im Bänderregal, zweite Reihe am Fenster.“
Was ich gerne gesagt hätte: „Möchtest du eine ehrliche oder eine höfliche Antwort?“

4.) „Können Sie mir helfen? / Kennen Sie sich damit aus...?“
Was ich gesagt habe: „Natürlich! Schieß los!“
Was ich gerne gesagt hätte: „Nö, eigentlich steh ich hier nur so hinter der Kasse rum. Ich weiß auch gar nicht, was ich hier mache, eigentlich sortiere ich im Supermarkt gegenüber Ware in die Regale, aber heute hospitiere ich mal hier!“

3.) „Hier ein schlecht beleuchtetes Foto, der Wohnzimmertapete meiner Nachbarin. Denk dir mal den Gelbstich weg, sie hat das gestern Abend gemacht. Welcher Stoff passt zu der Tapete? Sie will sich Gardinen nähen. Sie hat so Altbaufenster, die so hoch sind, wie wenn ihr Mann die Arme hochmacht und dann noch so ein kleines Stück höher!“
Was ich gesagt habe: „Möchte sie einfarbige oder welche mit Muster?“
Was ich gerne gesagt hätte: „Na klaro, kein Problem Mensch. Wie ich auf dem 8bit Foto deines Handys erkennen kann, passt zu dieser Tapete folgender Stoff. Und zufällig weiß ich, dass der Mann deiner Nachbarin 1,86 hoch ist, folglich sind ihre Fenster 2m hoch. Easy!“

2.) „Haben sie Samt?“
„Nein, leider nicht“
„Gar nicht?“
Was ich gesagt habe: „Nein, gar nicht. Versprochen.“
Was ich gerne gesagt hätte: „Also wenn du jetzt so fragst, eigentlich haben wir doch Samt. Ich hatte nur heute keine Lust den zu verkaufen. Aber weil du jetzt so genau nachgefragt hast, ausnahmsweise. Aber nur wenn du mir das Passwort für den Samt nennen kannst?“

1.) „Ich will ein Kleid/Rock/Hose/Pullover nähen, wie viel Stoff brauche ich?“
Was ich gesagt habe: „Du, das kann ich dir gar nicht so pauschal sagen, das kommt auf unterschiedliche Faktoren an: Stoffart, Stoffbreite, Größe des Kleidungsstücks, Schnittmuster etc. Und nein es hilft mir jetzt nicht, wenn du mir sagst wie alt dein Kind ist, für das du nähen möchtest!“
Was ich gerne gesagt hätte: „Gehst du auch in den Supermarkt und sagst: ‚Ich will was kochen, was brauch ich?“

Zusatztop
1A.) „Hallo, ich hab hier ein Foto der Tasche, wie viel Stoff brauch ich dafür?“
Was ich gesagt habe: “Woher soll ich das wissen? Ich kenne die einzelnen Schnittteile der Tasche doch nicht und weiß anhand eines Fotos nicht wie groß die ist. Du gehst doch auch nicht mit einem Foto zum Arzt und fragst: ‚Was hat der Patient?’“
Was ich gerne gesagt hätte: “Woher soll ich das wissen? Ich kenne die einzelnen Schnittteile der Tasche doch nicht und weiß anhand eines Fotos nicht wie groß die ist. Du gehst doch auch nicht mit einem Foto zum Arzt und fragst:‚Was hat der Patient?’“ (Sorry an dieser Stelle an den Kunden, ich hatte einen äußerst dünnhäutigen Tag)

Der Rattfratzfänger von Hamburg

Kennst du das, wenn man sich draußen von A(rbeit) nach B(ett) bewegt und seine Umgebung sehr genau beobachtet, weil man möglicherweise Teil davon ist und Rücksicht nehmen sollte? Nein? Ich schon. Zu deinem Glück.

Sicher, es reicht, wenn die Hälfte der Beteiligten umsichtig ist. Fürs erste. Und so stehst du da, Kevin-Johannes-Skywalker, auf meinem Fahrradweg, und versuchst ein animiertes Taubsi in eine animierte Plastikkugel zu bewegen und bist ebenso taubsi für deine Umwelt.

Versteh mich nicht falsch, ich bin absolut dafür, dass Menschen die Welt nach jahrelanger Abstinenz erkunden und entdecken, aber dann bitte mit allen Sinnen, neben dem puren Unsinn. Ich verstehe auch den Reiz des Sammelns, aber ich möchte mich nicht ungewollt in die Pokémonsammler-Jäger-position begeben.

Wie soll ich deiner Mama, die sich jahrelang bemüht hat, dich mithilfe von Kindersicherungen an Steckdosen, glutenfreien Keksen und Stoppersocken davor zu bewahren, dich in deinem kindlichen Übermut selbst umzubringen, erklären, dass das Selektionsprinzip Darwins nun doch zugeschlagen hat?

Die Welt da draußen ist gefährlich, Kevin-Johannes-Skywalker. Sie bietet mehr Gefahren, als die Möglichkeit über ein Controllerkabel zu stolpern und sich das Genick zu brechen. Vielleicht beherrschst du die Arenen und bist der Kingkong aller Pokémänner, aber du kannst nicht neu starten, wenn a wild Ann-Sophie aus dem Nichts auf ihrem Fahrrad appears und dich erst einmal umgenietet hat. Dann ist nämlich rattfratz Game over.