Smartphonitis

Das Smartphone. Der neuste Virus, unbemerkt von 90% der Menschheit. Untergräbt das System von innen. Raubt Augen, Aufmerksamkeit, Verstand. Rebell, sprengt ganze Partys. Wo früher getanzt wurde, sitzt man heute in der Ecke und liked den Post von seinem Nebenmann. Die Party steigt virtuell.

Gesehen in Ottensen

Gesehen in Ottensen

Anna: „Voll tighte Party bei Klausbernd“ mit Hannah, Lisa, Tobias, Klausbernd und Murat hier: Klausbernds Wohnzimmer. 6 Leuten Gefällt das. 4 Kommentare: Anna: Julian ist auch dabei. Lisa: Haha, Tobi und Julian gehen voll ab“ Tobias: Yolo! (4 Leuten gefällt das) Hannah: Warum ist Julian nicht markiert? Anna: Julian hat kein Facebook xD Klausbernd: …und ein Nokia 3510i :D Murat: o.O (2 Leuten gefällt das)

Somit steht Julian zwar körperlich und geistig mitten im Leben, tanzt sich wahrscheinlich einen Wolf in Klausbernds Wohnzimmer, aber zu der wirklichen Party, fehlt ihm die Eintrittskarte in Form eines betouchscreenten Mobiltelefons, welches einem die Pforten zu Welt Nummer 2 öffnet, die häufig schon Welt Nummer 1 von ihrem Platz vertrieben hat. Sicher, sein Telefon kann telefonieren, Sms versenden und aus dem 18ten Stock eines Wolkenkratzers auf Stahlbetonfallen ohne sich auch nur einen Kratzer zu holen, aber das ist in Annas tightem Partyposting nur ein müder xD-Smiley wert.

Es geht doch nichts über ein Handy, was sich beim draufsetzen sofort die sogenannte Spiderman-App holt, was man stündlich aufladen muss, was minütlich pfeift, weil irgendwelche Whattsapp nachrichten angekommen sind und sich auch sonst seine Aufmerksamkeit einholt. Tamagotchi 2.0. Und es wird jeden kriegen. Noch ärgert jeder, der bei klarem Verstand ist, sich über die immer mehr werdenden Smartphonezombies, die sich aus dem Gespräch ausklinken weil irgendwas vibriert, gedüdelt oder eventuell geblinkt hat, die einen wilden Blick bekommen, sobald keine Steckdose in greifbarer Reichweite ist, die 3 Stunden auf Festivals anstehen, um ihrem Mobiltelefon das zu geben was es will: Saft. Und Aufmerksamkeit. Aber sobald man einmal die vorzüge eines Smartphones genossen hat „Endlich kann ich von unterwegs aus meine Bahnverbindung googlen und muss nicht mehr auf den Plan gucken“ will man sie nicht mehr missen.
Zombiewalk hat bald nicht mehr Flashmob- sondern Alltagscharakter. 

Apocalypse now!