Wendeponcho Tutorial mit Schnitt

Man gondelt so durch die Welt und guckt sich alles an, was man so gar nicht vor der Tür hat und probiert möglichst verschiedene Gerichte und stottert sich durch andere Sprachen und nimmt Kultur mit, wo man sie kriegen kann. Das ist ja alles auch schön und richtig und wichtig. Mir ist aber mal aufgefallen, dass ich die Orte, die ich in Deutschland besucht habe fast an einer Hand abzählen kann. Das ist so, als würde man dass Weltall erkunden, aber beispielsweise nicht die Meere auf dem eigenen Planeten und das macht ja keiner, das wäre ja Quatsch. Wer macht denn sowas?
Und so sind wir im Schwarzwald gelandet, weil wir dachten, lange Anreisezeit, andere Klimazone, fremde Kultur und Gerichte und für norddeutsche Ohren schwer zu verstehende Menschen kann man auch im eigenen Land haben. Und das hat wunderbar geklappt. Ich bin bereits am ersten Tag beim Bäcker gescheitert, als uns die goldische Bäckereifachverkäuferdame „nguadnallerseids“ gewünscht hat. „Was hat sie gesagt? Entschuldigen Sie bitte, was haben sie gerade gesagt?“

Alles in Allem ist der Schwarzwald mit seinen außerordentlich entspannten Menschen und ganz anderen Landschaft als zuhause mehr als bereichernd. Wir genießen die kleine Auszeit sehr.
Dadurch dass wir aber relativ hoch unterwegs sind, ist es ungefähr so kalt wie in Hamburg. Man muss der Tatsache ins Auge schauen, dass es wohl doch langsam Herbst wird. Man kann das aber insofern ignorieren, dass man die negativen Aspekte gedanklich wegrationalisieren kann und sich einreden kann, dass wenn der Sommer nicht geht, er ja auch nicht wiederkommen kann, man Dinge vermissen muss, um sie zu schätzen und vor allem man seine Herbstgarderobe ja auch wieder tragen kann.

Vor zwei Jahren habe ich den Wendeponcho genäht. Ich wollte ein warmes Überzieherding, was man im Falle des Falles mal überwerfen kann, was mit Kapuze, was mit zwei Möglichkeiten. Jetzt habe ich eine liebe Nachricht von einer Leserin bekommen, die den Schnitt haben wollte und mir in dem Zuge auch noch mitteilte, dass Ponchos jetzt voll trendy wären und über die Laufstege wandeln würden. Das führt zu zwei Problemen bei mir. Erstens schäme ich mich nach wie vor ein bisschen für die Qualität des Schnittes, nicht dass den jetzt tatsächlich Menschen nähen wollen, ich habe den ja nur Pi mal Daumen aufgemalt, eingescannt und hochgeladen, für die, die genauso viel pfuschen wie ich. Die genau-Nähenden gucken da allerdings ein bisschen in die Röhre. Das zweite Problem ist meinem Individualitätsdrang geschuldet, jetzt wo Ponchos trendy sind, muss ich mir etwas anderes nähen. Das erste Problem ließ sich im Vergleich einfacher lösen, als meine – nennen wir es mal - speziellen Besonderheiten. Den Poncho gibt es jetzt in schön, mit geraden Linien, hier zum herunterladen.


Und weil heute Mittwoch ist, geht es hier zum MeMadeMittwoch

Was man dafür braucht:
1,5m Bunten Stoff
2m Wollstoff
Knopf
Schnittmuster

Und so gehts:

Schritt 1
Schnittteile aus dem Stoff ausschneiden. Nahtzugabe ist enthalten. Ponchoteil im Stoffbruch einmal aus buntem Stoff (im Schnitt als Futterstoff angegeben) und einmal aus schwarzem Stoff ausschneiden. Die Mitte in den Halssausschnitten jeweils mit einem Knips oder einer Nadel markieren. Das Kapuzenteil zweimal ganz aus schwarzem Stoff, und zweimal halb aus buntem und halb aus Schwarzem ausschneiden (Im Schnitt mit einer gestrichelten Linie markiert.)

Schritt 2
Kapuzenteile zusammennähen. Rechts auf rechts legen und an der "Oberseite" der Kapuze steppen.
Bunten Streifen an das passende Kapuzenteil nähen (rechts auf rechts legen und steppen)

Schritt 3
Kapuzen rechts auf rechts auf das dazugehörige Ponchoteil legen, Naht auf die markierte Mitte stecken und festnähen.

Schritt 4
Ponchoteile rechts auf rechts aufeinanderlegen. Unterhalb der Kapuze eine Schlaufe zwischen die Ponchoteile legen (für den Knopf später) Erst die Kapuzen zusammennähen, dann den Rest. Unten eine kleine Öffnung zum Wenden lassen.

Schritt 5
Wenden. Öffnung mit dem Matratzenstich (oder auch Leiterstich genannt) schließen

Schritt 6
Knopf gegenüber der Schlaufe annähen. Nicht an den Stoff, sondern mit einer längeren "Schnur" an der er hängt, er soll ja beidseitig nutzbar sein, wenn man den Poncho wendet.


Gehört: Timbo Flow

Vorurteile kommen ja häufig nicht von ungefähr. Sie ergeben sich aus Erfahrungswerten mit einem prägnanten Teil der Gruppe um die es geht. Trotzdem macht man es sich zu einfach, mithilfe von Klischees zu pauschalisieren. Es ist mir immer eine große Freude, Schubladen aufzuräumen und neu zu sortieren. Stichwort Hip Hop. Ich höre seitdem ich 12 bin fast ausschließlich guten deutschen Hip Hop. Wenn es allerdings darum geht, die Szene zu representen (wie es im coolen Hiphopperjargon heißt), habe ich kläglich versagt. Weder komme ich in den Raum und wedle mit meiner Hand „Yo Homie, sgeht?“, noch kratze ich mich anschließend in meinen in den Knien hängenden Schritt. Keine Street credibility, keine Gang, keine brennende Tonne im Ghetto. Eine große Enttäuschung für Freunde der Klischees.

Es geht um einen Künstler, der zwar Baggypants und weite Shirts trägt, aber weder Tourette, noch Welthass noch eine Vorliebe für Mütter hat. Er macht seit über 10 Jahren Musik, der größten Teil davon hat es nie auf ein Papier geschafft, sondern war nur für den Moment bestimmt. Diverse bierlastige Abende, Musik vom Kopf durch den Mund ins Ohr, ins Nirvana. Freestylekultur. Aber es ist tatsächlich passiert, dass Dinge aufgeschrieben wurden. Und Beats ausgesucht wurden. Und aufgenommen. Und gefeilt. Dieser Künstler liegt mir aus zwei Gründen besonders am Herzen: Erstens bin ich einfach überzeugt. Die Welt kann nicht genug gute Musik haben. Und wenn die Musik auch noch Inhalt hat, dann ist das Ding eigentlich schon entschieden. Zweitens kenne ich ihn gut und war fast die ganze Zeit bei dem Prozess der Arbeit am Mixtape dabei, habe Nächte mit Kritik und Lob verbracht und meinen kleinen Teil dazu beigetragen. Es macht mich sehr froh, dass endlich das Ergebnis verfügbar ist. Noch froher macht es mich, dass man einfach darauf zugreifen kann. Ich bin ja ein großer Fan von kostenlosen Zugriff. Geben und Nehmen. Nehmen und Freuen. Freude bedingt Geben. So macht das Spaß!

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Hier noch eine Hörprobe meines Lieblingsliedes und das erste Video.