Kunstvoll einlochen

Einer

hupt

, einer

schraubt

und der dritte steht mit lockeren Knien und festem Griff am Schläger und schielt konzentriert zu seinem Ziel, aka

kleine Einbuchtung im Boden

. Hat sie sich ausgedacht?

Hat sie nicht!

Und nein, das ist auch kein Phänomen welches man (ausschließlich) bei Menschen, welche sich in Psychologischer Betreuung befinden beobachten kann.

Es nennt sich Minigolf.

Und

nicht

dieses, welches man mit

verstaubten Urlaubsorten

mit einem überdurchschnittlich hohen Wert an Rentnern in Verbindung bringt, welche in

besockten Füßen

, die in Adiletten stecken von Bahn zu Bahn schlurfen, sondern solches, wo die

hippe Berlinerschaft

, oder die

familiäre Berlinerschaft

oder die

man-setze-Adjektiv-ein Weltschaft

eine mehr oder weniger

ruhige Kugel

schiebt.

Dass ich vom Rollfeld in Berlin-Tempelhof beeindruckt bin, ist kein Geheimnis und meine

Begeisterung stieg

mit der Entdeckung dieser Minigolfanlage

exponentiell

. Das Fandasein, dass ich friste, hat die gute Eigenschaft, dass ich mich in den höchsten Tönen darüber auslassen kann, was ich hiermit durchaus vorhabe.

18 Bahnen gibt es, von 18

unterschiedlichen internationalen Künstlern

gestaltet. Dass bei den Desings mehr Augenmerk auf die

ästhetische

, als auf die

praktische

Funktion gelegt wurde, wurde mir spätestens klar, als ich vier Kinder beobachten durfte, von denen drei lustig die Schläge zählten

(43, 44, 45....)

und der vierte frustriert und ziellos auf seinen Ball einschlug. Aber

geschenkt

... Ganz im Ernst, wer sich auch nur minimal für

verrückte nachhaltige Kunst

interessiert, dem empfehle ich beizeiten einen Besuch. (Wer ungeschickt ist und

nicht so übermäßig strapazierbare Geduldsfäden

besitzt, der kann ja nur den Anblick genießen, oder mit interaktiven Eingriffen (Wasserpumpe, Tischfußballspieler, Drehdingenskirchen yey) die Spieler

bei Laune halten

)

"Das Projekt thematisiert

ökologische Zukunftsfragen

und unser künftiges Verhalten zur Natur. [...] Verwendet wurden

Recyclingstoffe

bzw. solche, die recyclingfähig sind. Die Energie wird zum Teil bereits durch

Sonne

und

Wind

erzeugt. Bald soll die gesamte Anlage autark durch selbst erzeugte Erneuerbare Energie versorgt werden" (

Quelle

)

Ist auf jeden Fall ne top Idee, mit top Umsetzung und ziemlich hohem

Spaß- sowie Kunstfaktor

.

Stadtoase

Berlin Tempelhof

ist nicht gerade das, was ich als

idyllisches Fleckchen Natur

bezeichnen würde. Vorallem nicht in der Nähe der Keksfabrik. Es riecht lecker, aber dann ist da das allgemein bekannte

schwedische Möbelhaus

und wer dieses schwedische Möbelhaus kennt, weiß, dass es sich gerne

in wenig bewohnten Industriegebieten

ansiedelt um in Ruhe Billys, Björns und Fjodalls auszubrüten (mit Ausnahme von dem Nest mitten in Hamburg-Altona, welches sich gerade im Bau befindet).

Und dann geht man so in Berlin Tempelhof spazieren, denkt sich nichts böses, außer

„wenn ich mal in Berlin Tempelhof spazieren gehe, dann kann ich ja auch mal auf das alte Flughafengelände gehen“.

Und dann geht man auf das Rollfeld und steht plötzlich in dem

bezaubernsten Gärtchen,

welches ein alter Flughafen je hervorgebracht hat.

Kleine Kisten aus

alten Zaunpfählen

oder anderem Gehölz,

wunderschöne Beete

, welche

liebevoll

und kreativ gestaltet wurden, dazwischen überall

Bänke und Tische

, die rufen: „

setz dich hin, nimm dir nen Keks, fühl dich wie zuhause“

Schallplatten, Badewannen, Fenster, Türen... Das alles gibt es zu entdecken wenn man auf den Pfaden wandelt.

Ein Bauspielplatz für Erwachsene

.

Guerilla Gardening deluxe

. Mehr

Kunst

als

Garten

.

Das Gelände ist inzwischen so riesig, dass eine Anmeldung erforderlich ist um mitzugärtnern.

Nicht aus Gemeinheit („du darfst mitmachen, du nicht, deine nase ist doof“) sondern damit

nicht

eines Tages die Bagger vor dem Garten stehen und entscheiden alles einmal

umzugraben

. Schade wärs drum.

Wir haben durch Zufall die

Veranstalter

(

Für mehr Informationen, werfe man einen Blick nach

hier

)

getroffen -das Dings hat sich bei der Gelegenheit gleich einen Mitgärtnerplatz gesichert- und erfahren, dass trotz der schönen Idee, die ja sehr großen Anklang findet und auch viele Besucher anzieht, man mehr geduldet als gewollt ist. Das ein Beispiel: Es wurde ein Hochsitz gebaut.

Der war zu hoch

. Also darf er nur aufgestellt werden, wenn die Veranstalter anwesend sind. Sonst ruht er mit der Nase im Gras auf dem Fußboden. Der Sinn hat sich mir noch nicht so ganz erschlossen.

(Aber das hier sollte eigentlich kein „Ich rege mich über die Willkür der Behörden auf- Text werden)

Das Rollfeld ist ein Treffpunkt für unterschiedlichste Menschen.

Ein Park ohne Bäume

. Auf den Wiesenfläche grillen Studentengruppen, türkische Großfamilien, Pärchen.

Auf den betonierten Rollfeldflächen gehen Spaziergänger spazieren, fahren Fahrradfahrer Fahrrad, Inlineskater inlineskates. Große Kites ziehen

mehr oder weniger gewollt

ihre Herrchen hinter sich her, Herrchen ziehen ihre

mehr oder weniger willigen

Hunde hinter sich her. Alles in allem ein sehr

stimmiges Gutfühlbild an einem Gutfühlort.

(Aber am meisten habe ich mich über zwei kleine Jungs gefreut, die fast ein wenig

verschämt

(gärtnern ist uncool) ihre

gerösteten und gesalzenen Sonnenblumenkerne eingepflanzt

haben.)