Liebe Uni, was ist da los?

Nachhaltigkeit, ein ganz wichtiges Thema. Wir doofen Studenten sollen von der Uni der Nachhaltigkeit gelehrt werden. Dazu sollen wir jede Woche einen Lerntagebucheintrag verfassen, was wir denn so in der Vorlesung mitgenommen haben.

Zum Thema Nachhaltigkeit

.

Quelle

Doch die Frage die ich mir stelle: Ist es nicht

paradox

, von einer Universität, die Nachhaltigkeit predigt, zu verlangen, dass jeder der 1800 Studenten sich das 180 Seiten umfassende Skript ausdruckt? Wenn man das einmal hochrechnet - ich gehe davon aus, dass keiner doppelseitig ausdruckt, das wäre zu nachhaltig, außerdem gehe ich natürlich von dem Idealfall aus, dass jeder dieser 1800 Studenten brav seine Hausaufgaben macht, sich also jeder diese 180 seiten ausdruckt - dann wären das

324 000 Seiten

, die allein für das „Wissenschaft trägt verantwortung – Skript ausgedruckt werden sollen. Nehmen wir mal an, normales Druckerpapier ist 0.1 mm dick, 100 Blatt also 1cm,

dann wäre der Stapel der ausgedruckten Skripte der gesamten Studentenschaft 3240cm hoch, also 32,4m. Im vergleich: der Libeskindbau der Leuphana Universität, soll 37m hoch werden

. Also kann man sagen: die Studenten der Leuphana Universität sollen auf geheiß der Universität – und zwar nur bezogen auf die Vorlesung „Wissenschaft trägt verantwortung“ einen Papierstapel ausdrucken, der fast so hoch in den Himmel reicht, wie der Bau des neuen Gebäudes der Universität.

Dann kommt noch Statistik und Mathematik dazu. Übungsaufgaben, die jeder im Tutorium ausgedruckt dabei haben sollte. Ca 2/3 der Studenten haben jeweils das Fach Mathematik oder Statistik, manche beides. In Statistik ist dieses Aufgabenskript

18 Seiten lang

. Druckt sich jeder dieser 2/3 der Studenten das Aufgabenskript aus, also 1200*18, kommen von der Statistikfront nochmal 2,16m auf den Papierturm hinzu. In Mathematik sieht das alles sogar noch schlimmer aus. Um

die 300 Seiten

Papier sind den fleißigsten aller Studenten bereitgestellt, um sich flächendeckend auf die Mathematikklausur vorzubereiten. Das sind, voila,

nochmal 36m der Mathematiker.

32,4m + 2,16m + 36m = 70.56m!

Es lässt sich dazu sagen:

Die Universität verlangt von den Studenten des ersten Semesters in dem es um Nachhaltigkeit geht

(ja ich kann es nicht oft genug sagen), dass sie einen Papierturm ausdrucken (und jetzt nur bezogen auf die wichtigsten und grundlegendsten vorlesungen, in alle Seminare habe ich leider keinen Einblick),

der so hoch ist wie die Queen Mary 2!

Liebe Uni, was ist da los?

Mittwochsloch

Gesehen im Waagenbau
Nach Hamburg fahren und feiern gehen, Mittwochabend, und dann meckern das nichts los ist -"Ich dachte ich bin in einer Großstadt", das haben wir gerne. Ich beuge mich zu ihm rüber, nicke verständnisvoll und erkläre dann ganz langsam, dass es sogar in der Großstadt Menschen gibt, die am nächsten Tag arbeiten müssen. Natürlich ist das ein Schock für den Bielefelder Schnöselmenschen, der erstmal verdaut werden muss und kaum ist das getan, verlangt er plärrend, dass wir zwei Eingeborenen ihm dann doch mal bitte zeigen sollen wo Mittwochsabends etwas los ist... um zwanzignachzwölf...
Freundin und ich, angefixt durch den Apell an unsere Eingeborenenehre, schnappen uns den plärrenden Bielefelder samt Münchnernochschnöseliger Freund. Wir zaubern den Plan einer Stadtführung, mit dem Ziel eine geeignete Party zu finden aus unserem imaginären Zylinder, ohne natürlich die Ästhetik der Mittwochnächtlichen Stadt aus den Augen lassen zu wollen.
"Wo solls denn hingehen?" "Erstmal durch die Schanze richtung Hamburger Berg" "Wie weit ist das denn?" "Ach, das dauert nicht lang, 20 Minuten zu Fuß".
Diese Aussage hat zur Folge, dass der Münchner zum ersten Mal seine Nase aus seinem Iphone zieht und uns schockiert ansieht, dann senkt er diese wieder hinein und wühlt hektischen Fingers und irren Blickes nach einem Taxi.
Wer hat der hat, denken wir uns und überreden den Münchner seinen Taxiplan auf einen späteren, unbestimmten Zeitpunkt zu verlegen und ersteinmal die Mittwochabendliche Ästhetik Hamburgs mit uns zu erleben.
20 Jammerige Minuten später erreichen wir den Berg. Und wie wird man nölige Schnösel los? Ab ins Injection (dort geht man nur hinein, wenn man immun gegen Tripper, fremden Schweiß und sonstige Ekligkeiten ist). Und tschüss ihr zwei, viel Spaß.

Die Moral von der Geschicht: Nimm unbedingt herrenlose Kerle mit... Nicht!

Junggesellenabschied, Gesehen auf der Reeperbahn 20.08.2011

Der Patrick heiratet am 31.08.2011 die Svenja wie ich erfahren darf. Das erzählt mir der reizende betrunkene Freund von dem Patrick. "Ist es nicht schade, dass der Patrick bald vom Markt ist?"
Ich sehe auf den schwankenden, sabbernden Kerl mit dem Bauchladen und dem rosa Prinzessinnendiadem und hoffe nur, dass seine Zukünftige ihn so nie erleben darf. "Hmm joa, ist doch schön, wenn er denn glücklich ist".
Ich tanze weiter und hege die leise Hoffnung, dass des Patricks Freund mich so schnell vergisst, wie ich seinen Namen.
Eine Runde Kurze für die gröhlende Horde von feierlustigen Junggesellen und dazu offensichtliche Freude über irgendeinen 90er-Classics-Song. Ein "wuhu" welches dem, amerikanischer Cheerleader nicht unähnlich ist quittiert diesen.
Gesehen: Am Lessingtunnel
Patricks Freund hopst auf mich zu. Ich erfahre, dass er aus Pinneberg kommt, der Patrick aus Schnelsen und sogar jemand aus Kiel dabei ist.
Ob ich denn einen Feigenschnaps für 5 Euro kaufen möchte? Nein eigentlich nicht. Und nein, ich möchte auch kein Foto mit dem Patrick machen, auf dem ich ihn mit begeistertem Gesichtsausdruck auf die Wange küsse. Nein, wirklich nicht, verlockendes Angebot, ich muss übringens ganz dringend los.
Eins habe ich Patricks Freund versprochen: Falls (und wirklich nur falls) ich einen Junggesellinnenabschied feiern sollte, feiere ich den in Pinneberg, Schnelsen oder in irgendwelchen anderen kleinen Randgebieten von Hamburg, wo die ganzen Partymäuschen und -tiger herkommen. Dann werde ich mit einer Gruppe leichtbekleideter Mädchen in Motto T-Shirts (Die Braut die sich traut) durch die Straßen rennen, "wuhu" schreien, an den Türen klingeln und überteuerten Feigenschnaps aus meinem Bauchladen anbieten.
Und wenn der Morgen graut, werde ich genüsslich in die Vorgärten kotzen und an die Hauswände urinieren.
Das wird ein Spaß.