Turnkastenbücherregal und Hairpin legs

Unser Wohnzimmer ist immer noch unter Konstruktion, wie man in England so schön sagt. Ziel ist es, dass jedes Teil einen festen Platz bekommt. Das war nicht meine Idee, ich halte das bei meiner Ansammlung an Materialien (brauch ich alles noch, ist ja klar) für relativ unrealistisch. Um das mal ohne Schönheitsfilter und mit der grausamen Wahrheit deutlich zu machen: Ich bin Typ Eichhörnchen. Ich schleppe Dinge in meinen Bau, lege sie irgendwohin weil braucht man ja noch - ich würde sie sicher auch vergraben, wenn unsere Dielen das zulassen würden- und vergesse sie. Finde ich sie nicht wenn ich sie brauche, kaufe ich dasselbe einfach nochmal. Das geht bei meiner stolzen Ansammlung von mittlerweile fünf Nahttrennern los und hört mit der zweifachen Ausführung von Lochstanze plus passender Druckknopfzange auf. Falls du was brauchst, frag mich, ich habs bestimmt aber gib mir zwei Wochen um es zu finden.
Der selbsternannte Eichhörnchendresseur hat sich also auf die Fahnen geschrieben meine tierische triebgesteuerte "Ordnung" auf ein erträgliches Maß zu regulieren und dazu brauchen wir vor allem eins (abgesehen von seiner Geduld): Stauraum.

Von der Turnbank hatten wir noch ein Element übrig. Ein mögliches Dasein als Blumenkasten oder Couchtisch wurde bis zu seiner letzten Bestimmung als Bücherregal noch diskutiert. Ausschlaggebend war letztlich das Ordnungsargument, was die Diskussion mit sofortiger Wirkung beendete. Erstens war ich einverstanden und zweitens kommen bestimmt noch wichtigere und härtere Kämpfe, die es zu schlagen gibt. Die Totschlagargumente spare ich mir für diese Momente auf.
Die kürzlich entwickelte Obsession für Hairpin-legs des Kerls tat ihr übriges und Zack Fertig: Stauraum für Lektüre.

Was man dafür braucht:

Hairpin legs (wir haben unsere bei Ebay gekauft)
Ein Turnkastenelement (kriegt man mittlerweile auch relativ einfach gebraucht bei Ebay oder Ebay Kleinanzeigen)
Holz für die Einlegeböden
Winkel

Schritt 1

Bretter auf die gewünschte Größe zuschneiden (lassen). Unsere sind 60cm breit und 30cm tief.
Jedes Brett mit vier Winkeln in dem Rahmen befestigen.

Schritt 2

Die Hairpin Legs mit Schrauben unter dem Turnkasten befestigen.

Schritt 3

Den Kasten so zur Wand drehen, dass die "Füße" zur Wand zeigen. Dieser Abstandshalter hat dazu noch den Vorteil, dass auch größere Bücher ins Regal passen, weil sie nach hinten Platz haben. Löcher in die Wand bohren und das Regal an diesen Füßen zur eigenen Sicherheit mit Winkeln an der Wand befestigen.

3D Eckgemälde mit Stillleben Tutorial

Wir feiern heute unser einjähriges Wohnungsjubiläum. Zeit zuzugeben, dass wir eigentlich in einer Zweiraumwohnung wohnen. Während wir die restliche Wohnung langsam aber sicher salonfähig machten, haben wir die Wohnzimmertür nur geöffnet, um etwas hineinzuschmeißen, manchmal, aber eher selten sogar etwas herausgeholt. Es war quasi das hässliche, nicht leibliche Kind, was unter der Treppe wohnt. Eines, was man lieber versteckt, wenn Besuch kommt. Eines, bei dem man lieber das Thema wechselt, wenn die Sprache darauf kommt.
Aber nach einem Jahr, kann man sich langsam mal annähern. So Stück für Stück.
Ich habe angefangen meine Ecke heimelig zu machen, mich Schreibtischmäßig mal eben um 70cm verkleinert und allgemein ein bisschen weniger Prunk und Plunder herangeschleppt, im Gegenteil, mehr Mut zu weniger bewiesen. (Ich bin eigentlich überhaupt nicht der Minimalismustyp, zu viel ist eigentlich gerade richtig und Jugendstil und Rokoko waren voll mein Ding. Aber Pinterest und Instagram haben das System Gehirnwäschetechnisch ganz unauffällig von unten angegraben und jetzt finde ich eben 60er-Möbel und Minimalismus toll (#garnichtwahrwarallesmeineidee))

 

Und wieder einmal musste eine Ecke in unserer Wohnung dran glauben, jetzt haben wir nur noch 20 freie.
Aus meinen goldenen Zeiten gab es noch Restbestände im Rahmen eines Rahmens und mithilfe von zwei Winkeln wurde daraus fix ein 3D Gemälde in Form eines Stilllebens. Mal gucken wie lange das so bleibt, ich bin nämlich wahrlich nicht gut im Gießen, nicht dass es ein Stilltotes wird. (Um die Brisanz zu verdeutlichen: hätte ich tatsächlich ein hässliches, ungeliebtes Kind, ich würd’ es glatt unter der Treppe vergessen)

 


 

 

Was man dafür braucht:

Eine Ecke
Ein Rahmen
Zwei Winkel plus Dübel und Schrauben
(Optional: Ein Eckregal plus Pflanze, wahlweise auch eine wollüstige halbnackte Frau die mit Trauben posiert oder anderes gemäldetaugliches Material)

 

 

 

 

Und so gehts:

Erster und letzter Schritt:
Den Rahmen in die Ecke halten und anzeichnen wo die Winkel angebracht werden sollen. Löcher bohren, Winkel anbringen. Löcher oben in den Rahmen bohren, wo dann die Winkel sitzen. Rahmen an die Winkel anbringen.

 

Turnbank Restauration

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Manchmal findet man Dinge, mit denen man früher Unangenehmes verbunden hat, zu einer späteren Zeit schön. In diesem Fall kann ganz klar von einer Postästhetik gesprochen werden, die gemessen daran, wie schwierig es war, so ein Ding in bezahlbar zu finden, scheinbar nicht nur mich betrifft. Es handelt sich um einen Turnkasten. Der Freund erwähnte, er fände so einen ganz schick. Ich hatte nur meinen Sportlehrer vor Augen, der mit verlässlicher Regelmäßigkeit mit Schaum vorm Mund und Sadismus im Blick händereibend vor uns stand und verkündete, wir würden heute Zirkeltraining machen. Er sah sich das Kaninchen aus dem Hut ziehen und wir sahen ihn das Kaninchen aus dem Hut ziehen. Tot. Ohne Fell. Welches drei Wochen ungekühlt in der prallen Sonne gelegen hatte. Und dann mussten wir unsere Folterinstrumente aus der Kammer holen und aufbauen. Und während er Wurstbrot aß, mussten wir Hockwenden, Liegestütz und Seilspringen machen, und wurden ausgezählt, dass die Krümel nur so flogen. Pädagogisch wertvoll züchtete er so eine Armee von fitten Vegetariern heran, die die Hockwende und das Wurstbrot fürchten lernten und auf keinen Fall wie ihr dicker, fauler, schreiender Sportlehrer werden wollten.
Und jetzt sollte ich mir das Symbol meiner frühkindlichen Foltererfahrung in die Wohnung holen. Aber was tut man nicht alles für den Geburtstagskerl.
Ich habe tatsächlich einen gefunden. Er brachte nur eine mehrjähriges Balkonbehausungstrauma mit in unsere Beziehung. Da diese Spuren hinterlassen hatte, die sich nur mit viel Liebe und Zuwendung wiederherstellen ließ,änderte ich vorerst unseren Status auf „es ist kompliziert“.

Ich habe leider kein Vorher-Foto gemacht. Natürlich nicht. Immer dann wenn es wichtig wäre, gerate ich in eine Art Wahn, der mich scheinbar banale Dinge wie Vorher-Fotos komplett ausblenden lässt, was ich danach bitter bereue. Ich besitze nur ein paar „währenddessen-Fotos“. Aber ich versuche Vorher-Bilder mit meinen Worten zu malen. Man stelle sich ein charmantes Kunstleder als Bezug vor. In der Farbe Camel. Zu dieser Farbe addiere man ein wenig draußen-Pattina und die eingezogenen Kinderkörperflüssigkeiten Schweiß und Tränen, gepaart mit einem Hauch Traurigkeit und Verzweiflung. Die gefühlt fünfhundert Tackernadeln zu lösen um den Kasten von seinem Traum von PVC zu befreien, damit man den Chor der weinenden Kinder nicht mehr im Hinterkopf hört, war meine erste Amtshandlung.
Das schöne Holz mithilfe von einem Tischlerfreund und diversen Schleifern  freizulegen und den Sticker (ja, da war auch ein Sticker auf dem Kasten) gegen einen hellen Fleck zu tauschen die zweite. Das geschliffene Holz habe ich mit Leinölfirnis eingerieben, dadurch wurde es dann wieder ein wenig dunkler.
Die alten ehemals silbernen Schrauben, habe ich gegen messingfarbene Luxusschrauben getauscht(wirklich, ich bin hintenüber gefallen, als ich gehört habe, wie teuer die sind. Ich hätte mir mindestens 1 Paar Schuhe einer angesagten Sportmarke zulegen können. Aber ich wollte die Schrauben. Also just do it!)

Die oberen drei Kästen sind fertig bearbeitet und geölt. Die unteren sind noch in ihrem Ursprungszustand.

Die oberen drei Kästen sind fertig bearbeitet und geölt. Die unteren sind noch in ihrem Ursprungszustand.

Das für mich wichtigste, war der Bezug. Ich bin in den Lederfachhandel gestiefelt und habe mich spontan in einen 2x4-Meter großen Wasserbüffel verliebt. Das Problem an der Sache: erstens brauche ich kein 2x4-Meter großes totes Tier, wirklich nicht und zweitens hätte ich mir für den Wert der Haut, zusätzlich zu den Schuhen die Fabrik inklusive der dazugehörigen Kinder kaufen und eine Produktion aufmachen können. Nicht jede Liebe hat eine Zukunft, dachte ich mir und im Endeffekt wurde es dann ein halbes Rind. Das habe ich mit gefühlt fünfhundert neuen Tackernadeln am oberen Kasten befestigt.
Leder ist ein sehr dankbares Material, es lässt sich in alle Richtungen ziehen und dadurch kann man super kleine Fältchen ausgleichen. Aber leider hängt es sich auch ein bisschen aus. (Ist halt Haut. Meine würde wahrscheinlich auch nicht mehr frisch getackert aussehen, wenn jeden Tag jemand drauf sitzt)
Also falls jemand plant, etwas mit Leder zu beziehen: Von Anfang an ganz stramm ziehen. Und noch ein bisschen strammer.

 


Nachtrag
Falls sich jemand fragt, woher unsere schöne Küchenlampe ist: Wir waren Mitte September auf der Freicycle und da hat Johannes von Jolg ausgestellt.  Johannes macht alte Industrielampen wieder fit und ist auch sonst ein sehr sympathischer Kerl. Wir haben uns supernett mit ihm und seiner Begleitung unterhalten und mussten am Ende diese Lampe kaufen, weil die gut in unsere Küche passt und weil sie schwarze Tropfspuren hat, von denen keiner weiß woher sie stammen. 
Also wärmste Empfehlungen gehen raus. Danke an dieser Stelle an Johannes für das nette Gespräch, den Service und die schöne Lampe!